Nicht mittendrin, aber dabei...

  • Nachdem in Teilen von NRW und RLP heftige Überschwemmungen dafür gesorgt haben, dass viele Leute alles verloren hatten, gab es zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung.
    Die Spenden wurden dezentral gesammelt, und dann per LKW an verschiedene Zwischenlager in der Nähe des Krisengebiets gefahren, von wo aus sie dann mit kleineren Fahrzeugen verteilt wurden.
    Erstaunlicherweise fehlten den Hilfsorganisationen Fahrer mit FS-Klasse CE. Ich folgte einem Aufruf, und nahm Kontakt mit dem Organisator auf. Ein paar Tage passierte nichts, und plötzlich bekam ich eine Tour von Hamburg in die Nähe von Aachen. Alles sehr kurzfristig, aber noch überschaubar.
    Der Transport begann am Flughafen in Hamburg, wo die Spenden in einer großen Halle mit Hilfe von vielen weiteren Helfern sortiert, verpackt und verladen wurden.
    Ein weiterer Fahrer wartete bereits dort, und so ging es gemeinsam auf die Reise.
    Da ich vorher nicht wusste, was für einen LKW ich fahren soll, war die Überraschung umso größer:
    Es handelte sich um den Fahrschul-LKW der Hamburger Feuerwehr, ein nagelneuer Scania mit fast allen Extras !
       


    Da es ein Hilfstransport war, galt das Sonntagsfahrverbot nicht für uns.

    Obwohl ich seit ca. 30 Jahren nur noch sporadisch einen LKW fahre, dauerte es nur ein paar km, bis man sich wieder an die Abmessungen gewöhnt hatte.
    Die Bedienung hat sich natürlich in den vergangenen Jahrzehnten auch etwas verändert: Fahrerkarte statt Tachoscheibe, Automatik statt Schaltgetriebe und gaaanz viele Spiegel und Kameras.
    Die Fahrt verlief ohne unerwartete Ereignisse, und mit jedem Kilometer kam die Routine der 80er Jahre mehr und mehr zurück.

    Sogar den Gratis-Kaffee gab es noch beim Tanken auf dem Autohof an der Abfahrt Vechta !


          

    Am Ziel angekommen erwartete uns eine ziemlich enge Einfahrt mit Abzweigung im spitzen Winkel, die Äste hingen tief, und das alles auch noch in einer unübersichtlichen Kurve. Letztendlich hat aber alles gepasst.
    Das Rangieren mit Anhänger war keine besondere Herausforderung, zumal es ein Tandem war. Aber auch mit einem herkömmlichen Anhänger hätte ich vermutlich kein Problem gehabt, denn sowas hatte ich ja alles schon mal irgendwann gefahren.




    Es wurde direkt alles abgeladen. Anschließend bekamen wir noch ein üppiges Frühstück serviert, bevor es dann auf den Rückweg ging.


    Für mich war es gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Ereignis.
    Einerseits konnte ich zur Flutopferhilfe beitragen, und andererseits bekam ich die Gelegenheit, mal wieder einen LKW zu fahren, dazu noch einen Scania, so wie früher.

  • Einen Mover hatte der Anhänger nicht, dafür gab es aber zwei Rückfahrkameras, eine am Truck, und eine am Anhänger.

    Leider kein V8, wie mein alter 3-Achser, sondern ein Reihen 6-Zylinder, aber mit identischer Leistung bei deutlich geringerem Verbrauch.


    Die Automatik war eine richtige Wandlerautomatik und kein aufgepepptes Schaltgetriebe, d.h. die Beschleunigung erfolgte ohne Unterbrechung oder Schaltpausen.

    Besonders beeindruckend bei Kick-down: Es ging vorwärts, und zwar gewaltig !

    In einem LKW-Testbericht wurde mal etwas von 8,3 Sekunden von 0-80 km/h geschrieben, allerdings mit einem voll ausgerüsteten Feuerwehrauto mit ca. 19 Tonnen und der kleineren 370 PS-Maschine.
    Unser Dampfer hatte 410 PS, und wog leer mit Anhänger keine 14 Tonnen. Schade, das bei Tempo 90 der Spaß vorbei ist, denn da kommt der Begrenzer, und dreht einem das Gas ab.

    In den 80er Jahren hatte ich immer meinen Spaß mit den Taxifahrern, deren 200 D beim Ampelrennen gegen den Scania nur zweiter wurde. ;-)